Home Die S-Bahn Kein Millionär, aber auf dem Weg dahin...

Kein Millionär, aber auf dem Weg dahin...

Die S-Bahn

Heute in der S-Bahn war es dann mal wieder soweit. Ich hatte eine sonderbare Begegnung, die ich Dir nicht vorenthalten möchte. Auf dem Weg zur Haltestelle stieg ich grade raschen Schrittes die Treppen hinunter, auf der Rolltreppe nach oben stand ein Mann mit Glatze und Bundeswehr Hemd, er hatte ein Barett unter der Schulterklappe und sprach etwas in meine Richtung und gab ein Handzeichen was ich als Gruß interpretierte. Ich hatte die Stöpsel in den Ohren und höre ihn nicht.

Ich salutierte zackig zurück und flitzte weiter die Treppen runter. Unten stellte ich fest, daß mein Zug erst in 15min kommt als setzte ich mich um neue Musik auf die Ohren zu legen. Am Ende des Bahnsteigs entdeckte ich den eben gesehen, vermeidlichen Soldaten.  Bundeswehr Hemd und Lederhose?! Das ist kein Soldat…

Bei genauerem hinsehen sah er eher aus, wie ein Wohnungsloser mit leichtem Gepäck. Am Gürtel war eine grüne Feldflasche montiert, Lederhandschuhe hingen direkt daneben. Ein blaues Tuch hatte er sich um das linke Bein gebunden und er wirkte betrunken. Da er mich offenbar wieder erkannte, setzte  er Kurs auf mich und setzte sich kurzerhand neben mich.

Unaufgefordert begann er seine Geschichte zu erzählen:

Gestern hat er zum ersten mal seit 20 Jahren wieder eine Zeitung gekauft um zu sehen was es denn so neues gäbe. Er stellte fest, daß Gold recht gut im Kurs stehe und entschied sich kurzerhand dafür ein Teil seiner Reserven zu verkaufen. Er habe nun 500.000 € in der Tasche, sei zwar kein Millionär, aber ist auf dem beste Weg dahin. Etwas desinteressiert und misstrauisch antwortete ich sowas wie: „Ah ja!“ und er fuhr fort.

„Die Leute sagen immer, ich sollte ein Buch schreiben, ich hab so viele Geschichten zu erzählen, aber der Verfassungsschutz schreibt für mich mit.“ Sagte er. Die haben ihn bereites mit Laserstrahlen abgehört, dieses blaue Licht, da man auf Scheiben richten kann und dann genau hört was drinnen gesprochen wird. Er sei Oberst Leutnant AD und ist nach einem Einsatz desertiert.  So ganz konnte ich ihm dann doch nicht folgen, da er immer wieder in den Themen umher sprang und man sich schon konzentrieren mußte um dran zu bleiben.

Er habe bereits drei Enkelkinder und hat schon zwei seiner eigenen Kinder durch Unfälle verloren.  Dann wechselte er wieder zu seinem Verfolgungsthema und berichtete, daß er sich die Fingerkuppen rasiert habe, damit er keine Fingerabdrücke hat.

Alles in allem klingt das arg verworren, nahezu abstrus. Interessant ist, daß er nicht ausgesehen hat, wie der klassische „Penner“. Die Schuhe die er trug waren gepflegte Addidas Schuhe, alles in allem könnten an den Geschichten was dran sein.

Ich gehe natürlich nicht davon aus, aber wer weiß. Spinnen wir die Idee man zu Ende. Der sieht aus wie ein Obdachloser, hat ne Fahne wie ein jugendlicher am Freitag Vorabend und in der Tasche die Nummer von Frau Merkel, direkt neben einem Bündel 1000 $ Banknoten.

Interessant für mich war, als er mich auf meine Psoriasis ansprach. Er erkannte die Krankheit sofort als das was sie ist, während mich wesentlich kultiviertere Menschen entweder gar nicht ansprechen oder alles auf die Neurodermitis setzten.

Alles sehr merkwürdig…  

 
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